Sehr interessanter Artikel eines in Athen lebenden Schweizers: Wohlauf, aber wütend

Diese Stelle finde ich sehr aufschlussreich:

Krawalle

Das verfassungsmässig garantierte Recht auf Demonstrationsfreiheit bedeutet noch lange nicht, dass man auch demonstrieren darf. Da sind die Politiker und mit ihnen die Kettenhunde der Polizei vor. Friedliche Demonstrationszüge mit einfachen Leuten, darunter alten Leuten und Kindern werden mit Schlagstöcken, Tränengas und Pfefferspray angegriffen… und das stellt den Normalzustand dar. Im letzten Dezember hat ein Motorradfahrer der Polizei eine Frau gesetzten Alters mit Vollgas überfahren – vor laufenden Kameras und in der Mitte einer Gruppe Menschen die nach dem Ende einer Demonstration auf dem Nachhauseweg waren. An den gestrigen Krawalle waren keineswegs nur eine Gruppe von “gewaltbereiten Autonomen” beteiligt – hier griffen Familienväter die Bereitschaftspolizisten an und Rentner machten Jagd auf die berüchtigten Motorradpolizisten. Die Polizei hat einen gesellschaftlichen Auftrag und eine gesellschaftliche Sonderstellung. Wenn diese Missbraucht wird und in wahlloser, unkontrollierter Polizeigewalt endet, muss man sich nicht wundern, wenn “normale Bürger” ausrasten. Bei den Fotos der gestrigen Krawalle stechen für mich besonders jene hervor, die unvermummte, ältere Menschen zeigen, die die Schlagstock-Polizei angreifen.

Todesopfer und nekrophile Politiker

Gestern sind drei Menschen durch ein gelegtes Feuer ums Leben gekommen. Die Opfer waren Angestellte einer Bank. Die Täter waren wohl eben jene “gewaltbereiten Autonomen”. Mittäter sind aber auch die Manager der Bank, denn diese haben ihren Mitarbeitern verboten den Arbeitsplatz zu verlassen – unter Androhung der Kündigung – und sie haben diese Mitarbeiter eingeschlossen. Die drei Todesopfer sind erstickt, weil sie in einem von Sicherheitstüren verschlossenen Bereich keinen Notausgang hatten. Die Politik jedoch, nimmt diese Todesopfer dankbar an, denn sie lenken vom Ausmass des Volkszorns und von den eigenen Verbrechen ab. Statt von 100’000 bis 200’000 Demonstranten redet man von 3 Toten und einer Handvoll Mördern. Es ist, als ob die Verstorbenen und deren Familien nun zudem noch politisch missbraucht werden. Die Mitschuld der Bankleitung ist da nur eine kleine, störende Tatsache, die möglichst schnell vergessen werden sollte. Die Suche nach den Werfern der Molotof-Cocktails wird verstärkt. Die persönliche Schuld einiger unglaublich unverantwortlicher, durchaus schuldiger, soll von der Mitschuld der vielen ablenken.

Wer sich nur ein wenig für die Sache interessiert, sollte aber den ganzen Artikel lesen.

Einige weitere Artikel, speziell zum Thema Griechenland und deutscher Jorunalismus, gibt es noch unter http://print-wuergt.de/