Ich werde bevorzugt

Forscher haben ein Experiment gemacht, ob Bewerber mit ausländischen Namen benachteiligt werden, und SpOn berichtet darüber:

Tobias wirft Serkan aus dem Rennen

Und ist der Lebenslauf noch so toll – klingt ein Name türkisch, haben Jobbewerber schlechtere Chancen. Forscher haben Namenslotto mit fiktiven Studenten gespielt. Sie bestätigen, was immer vermutet wurde: Tobias und Dennis bekommen meist das Praktikum, Serkan und Fatih gehen oft leer aus.

Ich werde also bevorzugt, obwohl ich nichts dafür kann.

Es wird aber noch seltsamer:

Mit Fatih Yildiz und Tobias Hartmann im fiktiven Bewerberpool waren auch Serkan Sezer und Dennis Langer, beide ebenso gut qualifiziert wie Fatih und Tobias – und ebenso fiktiv. Das Ergebnis der Untersuchung: Selbst Stellenbewerber mit nahezu perfekten Referenzen werden in Deutschland bei der Jobsuche deutlich benachteiligt, wenn der Arbeitgeber türkische Herkunft vermutet.

Die Studie wurde also mit meinem vollen Namen durchgeführt. Was soll ich dazu sagen?

Rein statistisch betrachtet bin ich damit ein Glückskind: jung, männlich, weiß, deutsch (in Deutschland, wohlgemerkt, nicht in der Schweiz) und in einem festen Arbeitsverhältnis.

Bestimmt ein bis zwei Milliarden Menschen auf diesem Planeten würden wahrscheinlich über Leichen gehen, um dieses Leben unter diesen Bedingungen führen zu dürfen.

Doch bin ich glücklich? relativ betrachtet schon, doch absolut gesehen…. zum Glücklichsein gehört mehr dazu.

Zumindest geht es mir gut. Relativ und absolut. Und euch bestimmt ebenfalls, auch wenn ihr das anders seht. Erinnert euch gelegentlich daran, wenn ihr mal wieder unzufrieden seid.

Immer druff!

Heute ist anscheinend der auf-die-Fresse-Freitag.

Ich finde es zumindest herlich, wie F!XMBR auf die schwarz-gelbe Koalition draufschlägt: 100 Tage Glückseeligkeit
Alle in einen Sack und dann verprügeln, da trifft man immer den richtigen!

Leider liegt er mit einem Satz ziemlich richtig: “Die größte Stärke der Regierungskoalition ist die Schwäche der Opposition.”
Da frag ich mir nur: Welche Opposition? Haben wir eine Opposition? Wo ist sie? Ich zumindest hab sie schon lange nicht mehr gesehen. Wenn es sie überhaupt gibt. Vielleicht ist sie ja auch nur so eine urbane Legende.

Aber weg von diesem Trauerspiel, denn der Spiegelfechter gibt es unseren symphatischen Nachbarn: Die Schweiz, das Geld und die Moral

Es ist schwerlich zu ertragen, mit welch blasierter Selbstgerechtigkeit Schweizer Politiker und Publizisten sich in ihrer selbstverliehenen Integrität suhlen. Wie eine Monstranz tragen sie ihr Bankgeheimnis vor sich her, als sei dieses Schweigegelübde für die Hochfinanz die größte zivilisatorische Errungenschaft, die die Menschheit in ihrer Geschichte je hervorgebracht hat. Doch die Geschichte zeigt – Moral war und ist für den “Helvetischen Bankenbanditismus” (Jean Ziegler) ein Fremdwort.

BÄM!

Eine Studie der Bundesbank geht davon aus, dass 500 Milliarden Euro ohne Kenntnis des Fiskus im Ausland schlummern, ein Drittel davon in der Schweiz. Die Schulen und Kindergärten, die mit den entgangenen Steuern finanziert werden könnten, sind dabei nur ein kleiner Teil dessen, was der Helvetische Bankenbanditismus den Menschen in der ganzen Welt gestohlen hat. Die Schweiz hat Grund, stolz zu sein – stolz auf ihre Demokratie, stolz auf ihren Humanismus, stolz auf ihr schönes Land und ihre sympathischen Bürger. Wenn die Schweiz sich jedoch für eine Sache schämen sollte, dann sind es ihre Banken. Die Zeit der Selbstgerechtigkeit ist vorbei.

Jawohl.

Ich bin übrigens auch für den Kauf der Steuerdaten-CD. Aus einem einfachen Grund: Es trifft mit Sicherheit die richtigen. Millionen von Hartz-4-Empfängern werden ausgeblutet udn die reichen Säcke sollen ihre Kohle zur Seite schaffen dürfen? Es mag politisch nicht korrekt sein, aber da spielt mein Gerechtigkeitsempfinden nicht mit.

Als nächstes kommt dann Fefe und gibt der Videospieleindustrie was in die Fresse. Quasi als Halbzeitunterhaltung.

Was viel besser ist: Das Frankfurter Amtsgericht stellt das Erlösmodell der Abmahn-Industrie in Frage. Hoffentlichwird das Urteil nicht kassiert, sondern bestätigt. Damit auch die Raubritter der Contentindustrie ihr Fett weg bekommen.

BÄM! Bitte weiter so.

Der unbelesene Arbeiter

Liest die Bild:

Antworten der unbelesenen Arbeiter

Ein Artikel über uninformierte Bild-Leser, die keine Fragen stellen, weil sie die Antworten schon kennen.

Allwissende neigen zur Selbstüberschätzung. Der Professor ebenso wie der unbelesene Arbeiter.

Das erinnert mich immer an Sokrates: “Ich weiß, das ich nichts weiß. Aber ich weiß mehr als die, die nicht wissen, das sie nichts wissen.

Das ist das gefährliche: Zu glauben, das alle Fragen beantwortet sind, das alles erforscht ist, und das man selbst alles weißt, was man wissen muss, und dies natürlich richtig ist. Nicht “Warum ist das so?” zu fragen, sondern “Darum ist das so!” zu sagen.

Die einfachsten Fragen sind immer die wichtigen, und die einfachsten Antworten und Lösungen immer die falschen. Das Leben ist niemals schwarz-weiß, sondern hat mindestens 16 Millionen Farben, plus dem infraroten und ultravioletten Bereich!

Terry Pratchett wird sterben

Okay, wir müssen alle irgendwann sterben, aber Terry Pratchett (Einer der größten Schriftsteller aller Zeiten) verlangt das Recht, sich den richtigen Zeitpunkt dafür auszusuchen.

Mein Leben, mein Tod, meine Entscheidung (bei Der Freitag)

Und so habe ich mir geschworen, dass der Alzheimer mich nicht drankriegen wird, sondern dass ich ihn erledigen werde. Ich möchte mein Leben wie bislang voll auskosten und sterben, bevor die Krankheit ihren letzten Angriff startet. Bei mir Zuhause, in einem Stuhl auf dem Rasen, ein Glas Brandy in der Hand, mit dem ich den tödliche Cocktail hinunterspülen werde, den mir ein hilfsbereiter Arzt besorgen wird. Zu den Klängen von Thomas Tallis auf meinem I-Pod werde ich dem Tod die Hand reichen.

Mir erscheint ein Tod auf Bestellung mit medizinischem Beistand als eine angemessene und vernünftige Entscheidung, wenn man an einer ernsten, unheilbaren und lähmenden Krankheit leidet.

Ein wahrhaft weiser Mann. Aber wer seine Bücher kennt, weiß das auch so.

Ich möchte in Frieden sterben, bevor die Krankheit mich überwältigt. Ich hoffe, dass das nicht so schnell der Fall sein wird. Ich weiß, dass jeder Tag so kostbar sein wird wie eine Million Pfund, wenn ich weiß, dass ich dann sterben kann, wann ich will. Wenn ich wüsste, dass ich sterben darf, könnte ich leben. Mein Leben, mein Tod, meine Entscheidung.

Wenn es nach mir ginge, würde Terry Pratchett noch hundert Jahre leben und noch fünfzig Bücher schreiben.
Aber so wünsche ich ihm noch möglichst viele, glückliche Jahre und einen würdigen Tod.

Das skalierbare Universum

Eine sehr beeindruckende Flash-Animation:

The Scale of Universe

Von den Strings bis zum Rand des Universums, alles im richtigen Maßstab!

(via Astrodicticum Simplex)

Betrügerbande

Zum Wochenende noch aweng FDP-Bashing:

Alles gute, kleiner Marsrover!

Der heutige XKCD-Comic ist erstklassig und sehr bewegend:

Hier klicken

Für die, die es nicht mitbekommen haben: Der Mars-Rover “Spirit” der Anfang 2004 auf dem Mars landete und dessen für 90 Tage geplante Mission nun schon über 6 Jahre andauert, steckt seit März 2009 im Sand fest. Am 26.1. 2010 hat die NASA sämtliche Versuche eingestellt, den Rover aus dem Sand zu befreien und will ihn nun als stationäre Forschunsplattform benutzen, bis er wegen Energiemangel den Dienst einstellt.

Es ist ein langsames sterben dieses kleinen, symphatischen Roboters, der die an ihn gestellten Erwartungen bei weitem übertroffen und immer wieder durch seine Zähigkeit überrrascht hat.

Doch noch ist nicht alles zu Ende: Die Schwestersonde “Opportunity” ist noch aktiv und seit August 2008 auf ihr unfassbar weiten Reise zu dem Krater Endeavour und hat bereits ein gutes Drittel ihres Weges geschafft.

Der Aktuelle Stand der Msissionen findet sich bei der NASA.

HvR#235

Herr von Runkenstein entflieht der Gegenwart

Und es ward 2010
als Herr von Runkenstein aus seinem Winterschlaf erwachte
und sich die Welt um ihn herum völlig verändert hatte
So wurde die FDP nun Mövenpick-Partei genannt
Haiti war von einem zornigen Gott in Trümmer gelegt worden
die Wiege der Demokratie stand kurz vor dem Staatsbankrott
die geliebte Bundesregierung hatte sich neue Ideen
zur Kontrolle des Internets
und zur Überwachung der Bevölkerung ausgedacht
und der erfolgreichste Film aller Zeiten
war ein Science-Fiction-Remake von Pocahontas
mit blauen Indianern und in 3D
Herr von Runkenstein hoffte nun
dass all die unangenehmen Auswüchse der Zukunft
durch großartige Zukunftstechniken ausgeglichen werden
musste jedoch enttäuscht feststellen
dass die Raumfahrt zunehmend stagnierte
die längst überfälligen Robotersklaven nicht mehr waren
als autonome Staubsauger
und statt der erhofften Kernfusion
noch immer die vermoderten Überreste von Pflanzen und Tieren
aus grauer Vorzeit verfeuert wurden
Da er sich nicht vorstellen konnte
in dieser seltsamen Welt sein Leben zu verbringen
tat er das
was jeder andere an seiner Stelle auch tun würde
nämlich in eine Welt zu fliehen
in der das Leben noch unkompliziert war
Zu diesem Zweck betrat er seine
halbkryonische Zeitentschleunigungskammer
in der die Zeit so langsam verging
dass in jeder seiner Sekunden
ein ganzes Jahrhundert an ihm vorüber zog
und brachte ihn so in eine ferne Zukunft
in der ihm eine hochintelligente Feuerqualle
gegen eine Gebühr von zwanzig neokanadischen Silberdollar
eine primitive Zeitmaschine ausdruckte
mit welcher er sein eigentliches Ziel erreichen konnte
nämlich die ferne Vergangenheit
wo er sich an den Gestaden des Urozeans niederließ
und mit einer völlig simplen Tachyonen-Angelrute
mit ultrapräziser Laserzielerfassung
sein Abendessen aus Panzerfischen und Trilobiten aus dem Meer fischte
und ganz nebenbei mit einem klassischen Morgenstern
jeden Fisch zu Brei zerstampfte
der es wagte
mit Hilfe selbstgewachsener Beine an Land zu kriechen
weil Herr von Runkenstein genau wusste
wohin diese abartige und gottlose Entwicklung der Natur
letztendlich führen würde

Scheiße gebaut? Mehr Lohn!

“Debatte über Flugsicherheit – Gewerkschaft verlangt mehr Lohn für Sicherheitsleute”

Interessantes Konzept: Da baut einer Scheiße, und daraufhin verlangen die mehr Lohn.

Man stelle sich vor, ich baue mal richtig Scheiße, der Kunde ist stinksauer und beschwert sich und daraufhin gehe ich zu meinem Chef und verlange eine Gehaltserhöhung:
“Tut mir leid, Chef, aber bei MEINEM Gehalt kann ich nun wirklich nicht jeden Kunden zufrieden stellen!”

Remember Orwell

Heute ist der 60. Todestag von George Orwell, bekannt durch Bücher wie Animal Farm und 1984.

Vermutlich ist er heute noch genauso tot wie vor 60 Jahren, allderdings dürfte er seit etwa 10 Jahren immer schneller in seinem Grab rotieren. Den “Big Brother”, die Reality-Show, ist inzwischen auch 10 Jahre alt.

Dank RTL 2 ist “Big Brother” inzwischen ein Synonym für ein Konzept, in dem sich Menschen freiwillig rund um die Uhr filmen lassen, und nicht mehr für ein menshcenunwürdiges, grenzenloses Überwachungssystem.

Und der Hammer ist: Seit einigen Wochen werben die heftigst für den Song von so einer Unterschichtenboygroup mit dem Titel “Schöne neue Welt”. Die arbeiten ersthaft daran, diesen drei Worten den Zynismus zu nehmen, den sie von Aldous Huxley bekommen haben!

Das, was die INGSOC mit Hilfe von Neusprech ihren Bürgern in die Köpfe gehämmert hat, erledigt das RTL-Imperium mal so nebenbei mit fluffiger, massenkompatibler Popmusik.

Wir brauchen garkeine Gedankenpolizei, keine Gestapo und keine Schlägertrupps, die sämtliche Abweichler umerziehen oder verschwinden lassen. Wir brauchen nur einen ohrwurmigen Popsong und eine ausreichende Versorgung mit ipods, damit sich eine ganze Generation von selbst auf Linie bringt!

Der Überwachungsstaat der Zukunft ist nicht grau und trübe wie in 1984. Er ist knallbunt und fröhlich, voller Musik und tanzender Menschen. Und sie lieben es!

Stirb, IE!

Diese Nachricht versüßt mir den Tag:

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik warnt vor der Benutzung des Microsoft-Browsers.

Wegen einer Sicherheitslücke sollten Computernutzer nach Einschätzung staatlicher Experten den Internet Explorer von Microsoft nicht mehr benutzen. “Die Schwachstelle ermöglicht Angreifern, über eine manipulierte Webseite Schadcode in einen Windows-Rechner zu schleusen und zu starten”, teilte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) am Freitag in Bonn mit. Betroffen sind die Versionen 6, 7 und 8 des Internet Explorers auf den Windows-Systemen XP, Vista und 7.

Nun sind Sicherheitslücken im IE ja nichts neues, aber dass nun das BSI davor warnt, ist schon ein Ding.

Hoffentlich bleibt parallel der IE6 auf der Strecke. Ich hasse ihn so sehr. Hab ich das schonmal erwähnt?

ich binne nicht tot – 2010

Ein gutes neues erstmal an alle, die hier noch reinschauen.

Okay, seit einem Monat kein Posting mehr. Ich behaupte mal, Twitter ist schuld. was in 140 Zeichen passt, kommt dorthin. Und längere Sachen hab ich in letzter Zeit irgendwie nicht zu sagen.
Trotzdem bin ich nicht bereit, dieses Blog aufzugeben. Durststrecken gibt es immer.

Technologiekritik

Ein ziemlich guter Artikel, der sich mit den üblichen Reaktionen aus der Gesellschaft auf neue Techniken beschäftigt: Standardsituationen der Technologiekritik

HvR#234

Herr von Runkenstein trifft einen Amöbenalien

Bei einem gemütlichen nächtlichen Waldspaziergang
und Sichtweiten unter Null Meter
stolperte Herr von Runkenstein über einen Wurzelgnom
und schlug mit dem Kopf gegen eine fliegende Untertasse
die hier widerrechtlich geparkt worden war
Gleich darauf ergoss sich
eine amöbenartige Kreatur aus der Einstiegsluke
beschwerte sich über die mutmaßliche Sachbeschädigung
und drohte gleichzeitig mit seinem
menschenfressenden Weltraum-Anwalt
Da der einzellige Besucher jedoch lachhaft klein war
und sein interstellares Raumschiff in eine Tupperdose passte
steckte Herr von Runkenstein es sich in die Jackentasche
und nahm es mit nach hause
wo er die hochintelligente Glibbermasse
auf ein Butterbrot schmierte
und zum Frühstück verputzte
und das Raumschiff auf seinen Nachtisch stellte
wo er nun im radioaktiven Schein der Positionslichter
schlaue Bücher über Völkerverständigung
und dicke Bücher über exotische Kochkünste lesen konnte

Remember, remember!

Remember, remember the fifth of November
Gunpowder, treason and plot.
I see no reason why the gunpowder treason
Should ever be forgot.

Heute wäre der richtige Tag, mal wieder “V wie Vendetta” zu gucken. Zumindest aber, sich an Guy Fawkes zu erinnern, dessen hehres Ziel, König und Regierung von England zu töten für uns zwar keine besondere Relevanz hat, dessen Gesicht man in Maskenform aber heutzutage wieder häufiger sieht, besonders in Form der Anti-Scientology-Brewegung Anonymous, mit dessen Motto ich dieses Posting beschließe, weil es wesentlich mehr Relevanz hat als die Schießpulververschwörung:

Knowledge is free.
We are Anonymous.
We are Legion.
We do not forgive.
We do not forget.
Expect us!

(Bei Duckhome gibt es auch noch einige Gedanken zu dem heutigen Tag)

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