Sackgasse: Bitte wenden

Ihr habt es sicher schon gemerkt: Auf diesem Blog geht nicht mehr viel.

Der Hauptgrund dafür ist Twitter. Die Kommunikation ist schneller und direkter, außerdem gibt mehr Reaktionen und auch Kontakte zu anderen Leuten. Trotz der Zeichenbeschränkung ist Twitter derzeit mein Favorit. Und da jetzt noch eine Suppenseite dazugekommen ist, die den Bereich Bilder, Videos und längere Texte abdeckt, wird dieses Blog langsam obsolet.

Ich hab zwar derzeit nicht vor, es zu löschen, einerseits wegen der älteren Artikel, andererseits als Backup, sollte bei den Social Networks einmal etwas gewaltig schiefgehen.

Aber wenn ihr in Gegenwart und Zukunft auf dem laufenden bleiben wollt, sollten ihr dort nachsehen:

https://twitter.com/Runkenstein
http://runkenstein.soup.io

Das Runkiläum – 10 Jahre Runkenstein

30.09.2011 – Nürnberg/Weinerei

In diesem Monat ist Herr von Runkenstein zehn Jahre alt geworden (Realzeit, nicht Runkenzeit), und zu diesem Anlass wird es eine Feierstunde in der Weinerei geben. Bei dieser Lesung werden neben mir auch andere Slamer Runkenstein-Texte lesen, neu interpretieren oder völlig neu erschaffen.

Derzeit sind das folgende Leute:

- Turnkey Facility
- Peter Parkster
- Jan Hörsch
- Vincent E. Noel
- Osama
- Benjamin Reichstein

Einlass 20:00 Uhr, Beginn 20:30 Uhr | Weinerei, Prinzregentenufer 5 – Nürnberg, U-Bahn/Tram Wöhrder Wiese, Eintritt frei.

HvR#253

Heute vor genau zehn Jahren entstand der erste Herr von Runkenstein-Text.

Herr von Runkenstein feiert Geburtstag

Als Herr von Runkenstein seinen Geburtstag feiern wollte
lud er alle ein
die er kannte
von denen jedoch niemand erschien
Aus diesem Grund erschuf er sich neue Freunde
die er “Dalek” nannte
diese jedoch verliesen die Erde aus dem fadenscheinigen Grund
dass sie einen Doktor besuchen wollten
worauf Herr von Runkenstein sich nochmals neue Freunde erschuf
die er jedoch im Keller ankettete
wo sie aus den Überresten von Kellerasseln und Einhornknochen
Geburtstagsgeschenke für ihn basteln mussten
was dazu führte
dass Herr von Runkenstein ein organisches
intergalaktisches Raumschiff zum Geburtstag bekam
worüber er so dankbar war
dass er seine Freunde in den Frachtraum verlud
und dann am Nordpol an den Weihnachtsmann verkaufte
und anschließend einige Runden durch die Milchstraße drehte
dann aber versehentlich den Rückwärtsgang einlegte
und auf Überlichtgeschwindigkeit beschleunigte
wodurch er sich selbst in die Vergangenheit beförderte
und zwar genau bis zum Urknall
der vor exakt zehn Jahren stattfand
in einem simplen Texteditor auf einem Computer
wo Herr von Runkenstein
den Schöpfer höchstpersönlich dabei beobachtete
wie er aus einer simplen Gewürzgurke
das heute bekannte Universum erschuf
und anschließend zu Bett ging
worauf Herr von Runkenstein den Computer hackte
sich selbst digitalisierte
und 7,3 Mikrosekunden später
nach einem epischen Kampf gegen das Masterkontrollprogramm
die Parameter seines noch jungen Heimatuniversums so veränderte
dass die Naturgesetze zu anpassbaren Richtlinien wurden
und die Naturkonstanten zu Naturvariablen
und er selbst zudem universale Administrationsrechte bekam
weshalb er sich durch reine Gedankenkraft
wieder nach Hause beförderte
und dort feststellte
dass er keine kreative Idee hatte
was er mit diesen neuerworbenen Superkräften anfangen sollte
was wohl daran lag
das er sie seit Anbeginn der Existenz hatte
und schon daran gewöhnt war
was ihn so unglaublich mildtätig stimme
dass er sich wieder in seinen Keller begab
um den verrückten alten Mann freizulassen
welcher seit etwa 2.000 Jahren sein Gefangener war
und der sich selbst für Gott hielt
und vor seiner Kellerhaft unglaublich viel Mist verzapft hatte
und zwar so offensichtlich
dass seine verrückten Geschichten ein ganzes Buch füllten
welches nicht nur der größte Bestseller aller Zeiten ist
sondern auch einige Religionen grundlegend beeinflusst hatte
und von vielen simplen Gemütern
sogar wortwörtlich ausgelegt wurde
was so verrückt war
dass es schon wieder genial wurde
weshalb Herr von Runkenstein diesen Mann
zur Sicherheit aller eingesperrt hatte
was nun aber nicht mehr nötig war
da er den GOD-Mode deaktiviert hatte
weshalb dieser nun in seinen bayerischen Heimatort
Himmelreich zurückkehren durfte
wo sein Sohn Jesus bereits auf ihn wartete
und sogar eine polnische Altenpflegerin angestellt hatte
um seinen Vater angemessen zu versorgen
Herr von Runkenstein hingegen lehnte sich zurück
und genoss die Stille an seinem Geburtstag
die nur deshalb so still vor sich hinstillte
weil er sämtliches Leben im Universum vernichtet
sowie alle klangerzeugenden
physikalischen und chemischen Prozesse unterbrochen hatte
was aber nicht weiter schlimm war
weil Herr von Runkenstein morgen
einfach das Backup einspielen würde
welches aus einer 578 Kilobyte großen txt-Datei besteht
und sich auf einem USB-Stick aus Plastik befindet
der in spätestens 100 Jahren
in einem Museum ausgestellt werden wird
wenn es Herrn von Runkenstein gelingen würde
sein Universum mit einer anderen
jedoch sehr viel langweiligeren Welt zu verschmelzen
in dem DU die fiktive Figur bist!

HvR#252

Herr von Runkenstein nutzt soziale Netzwerke

Weil Herr von Runkenstein nicht wusste
Wie er seine Google-Kreise anordnen soll
machte er einen Kreis “ich” und einen Kreis “alle anderen”
in den er alle Freunde, Feinde, Bekannten, Verwandten,
Kollegen, Bekanntschaften, Nachbarn, Gäste, Haustiere,
Ungeziefer, Sklaven, Klone, Roboter, Mutanten, Aliens,
Götter, Diktatoren, U-Boote, künstliche Intelligenzen,
Fabelwesen, Handwerker, Politiker, Chimären
und auch sämtliche chemischen Elemente ablegte
denen er jemals begegnet war
oder zumindest irgendwann einmal in den Arsch treten wollte
Was dazu führte
dass Google+ ihn wegen falscher Benutzung des Kreisverkehrs kündigen
Und zurück zu Facebook schicken wollte
wo es überhaupt keine Kreise gab
sondern nur Freunde
was Herr von Runkenstein sehr einseitig fand
da die meisten seiner Facebookfreunde eher Bekannte waren
von denen manche sogar Farmville spielten
und sich deshalb für Gamer hielten
obwohl doch jeder weiß
das Farmville überhaupt kein Videospiel ist
sondern eine Software für die Steuerung
von autonomen Landwirtschaftsbetrieben
in der die scheinbaren Spieler
lediglich Kontrollorgane sind
um die Arbeit der Roboter zu überwachen
und auch dies nicht sonderlich gut konnten
was die Hungerskatastrophe am Horn von Afrika ganz klar bewies
Herr von Runkenstein jedoch
ging auf Distanz zu diesen sozialen Netzwerken
vor allem wegen dessen Klarnamenpolitik
denn keinesfalls würde er jemals
seinen Vornamen irgendwo ins Internet schreiben
vor allem aus dem Grund
weil er seinen Vornamen vergessen hatte
und sich einfach nicht für einen neuen entscheiden konnte
und so ging er wieder dorthin
wo er sich am wohlsten fühlte
nämlich zu Twitter
wo Fremde zu Freunden wurden
sich gegenseitig mit informationen versorgten
jederzeit zu einem nachbarschaftlichen Plausch bereit waren
und man niemals wusste
welche Sau als nächstes durch das Dorf getrieben werden sollte
was als nächstes passieren würde
wie an dem Tag
als @Runkenstein plötzlich viele Millionen Follower hatte
die jeden seiner Tweets favten und retweeteten
und bereitwillig jeden seiner Befehle ausführten
was zu der vermehrten Kommunikation über Ponybilder
und zu Umstürzen in mehreren arabischen Ländern führte
und damit endete
dass man ihn zum Anführer von Anonymous wählte
weshalb er nun doch einen vollständigen Namen hatte
nämlich Herr Anonymous von Runkenstein
und man zudem die Guy-Fawkes-Masken
durch Runkenstein-Masken austauschte
was aber keinen Unterschied machte
da Herr von Runkenstein einmal in die Vergangenheit gereist war
um dort unterm dem Pseudonym Guy Fawkes
das englische Parlament zu sprengen
weshalb die Guy-Fawkes-Masken so aussahen wie er
wenn auch stilisiert
weshalb man davon ausgehen konnte
dass jeder Herr von Runkenstein war
und Herr von Runkenstein zugleich jeder andere war
was ihn nicht nur zum legitimen Anführer von Anonymous machte
sondern gleichzeitig auch zum rechtmäßigen Kaiser über alle Menschen
weshalb er sich nun mit den Titel Cäsar schmückte
und ans Werk ging
um seine legitime Machtübernahme
über das Reich der Menschen vorzubereiten
mit Hilfe von Eichhörnchenrobotern und fleischfressenden Einhörnern
und Haien mit Lasern auf den Köpfen
was jedoch eine völlig andere Geschichte ist

HvR#251

Herr von Runkenstein fällt auf den Kopf

Nachdem Herr von Runkenstein aus dem Bett gefallen
und auf den Kopf aufgeschlagen war
erinnerte er sich wieder daran
dass er garkein schwächlicher Humanoid war
sondern eine Quadratwurzel vom Planeten Krypton
weshalb er sofort die Wurzel aus 49 zog
und dann mit siebenfacher Kaffeegeschwindigkeit
sein Haus verließ
welches er einst aus reinem Kryptonit erbaut hatte
weil der grünliche Schein damals noch
die radioaktiven Eichhörnchen auf Abstand hielt
aber ihn nun daran hinderte
seine wahren Kräfte zu entfalten
weshalb er sich nun Kraft seiner Gedanken
in die untere Ionosphäre begab
dort seinen Warp-Schließmuskel zündete
und sich direkt zu seinem Heimatplaneten wurmlochte
wo man ihn jedoch nicht mehr haben wollte
weil er zu lange unter Menschen gelebt
und deren dummen Angewohnheiten übernommen hatte
wie freies Denken
Umweltverschmutzung
urinieren in der Öffentlichkeit
und Völkermord
weshalb Herr von Runkenstein den Völkermord
an den Kryptoniern beendete
welchen er fast instinktiv begonnen hatte
dann auf ein Tässchen Reh-Tee und Zigeunerkekse
bei seinen Großeltern vorbeischaute
und anschließend seine Heimat wieder verließ
von der er nicht einmal sicher war
ob er wirklich von dort stammte
weil er kurz zuvor
einen Schlag auf den Kopf bekommen hatte
und er sich häufig Dinge einbildete
wenn so etwas passierte
wie beispielsweise eine Quadratwurzel zu sein
oder durch den Weltraum zu reisen
was für Menschen nun mal nicht möglich ist
weil diese weder unter Wasser
noch im Weltraum atmen können
was Herr von Runkenstein sehr bedauerte
als er durch die Erdatmosphäre stürzte
im Pazifik versank
und auf dem Meeresgrund
wegen einer Tiefseeallergie
einen heftigen Niesanfall bekam
was aber völlig menschlich war
und damit ein Beweis dafür
dass er doch nur ein Mensch sein konnte
vor allem wegen seiner Neigung zu Umweltverschmutzung
und Völkermord
und der Tatsache
dass er gerade ins Wasser urinierte
was er bereits als Kind im Schwimmbad gelernt hatte
und damit der endgültige Beweis
für seine Menschlichkeit war

HvR#250

Herr von Runkenstein denunziert seinen Nachbarn

Kaum hatte Herr von Runkenstein seine neue Ferienvilla
in einem zentralasiatischen Land bezogen
musste er feststellen
dass seine Nachbarn es mit den Müllentsorgungsvorschriften
nicht sonderlich genau nahmen
weil sie ihre Hausabfälle im Garten verbrannten
was sicher auch in diesem Teil der Welt nicht erlaubt sein konnte
Als er jedoch seine Nachbarn anrufen und sich beschweren wollte
und sich herausstellte
dass diese nicht einmal einen Telefonanschluss hatten
war Herr von Runkenstein in höchstem Grade alarmiert
dass es hier nicht mit rechten Dingen zugehen konnte
weshalb er sofort die örtlichen Behörden informierte
die jedoch zu seinem Erstaunen nicht im Sinne des Gesetzes handelten
sondern im Gegenteil Herrn von Runkenstein darüber informierten
dass die Bewohner des betreffenden Hauses so unauffällig waren
wie sie nur sein konnten
und es sich deshalb um völlig normale
und unauffällige Leute handeln musste
was ihm kurz darauf auch der lokale Polizeichef
sowie der Geheimdienst bestätigten
was Herr von Runkenstein jedoch keinesfalls akzeptieren konnte
weil der Wind auch in den folgenden Tagen
den Gestank verbrennenden Mülls zu ihm herüberwehte
weshalb er nun zum Gegenangriff überging
und seinerseits Müll und Unrat verbrannte
und auch einige Reifen und Friseurabfälle ins Feuer warf
und mit Hilfe eines Ventilators sicherstellte
dass der Gestank auch sein Ziel erreichte
Kurz darauf erschien tatsächlich der erboste Nachbar am Gartenzaun
und drohte mit Dschihad und nachbarschaftlichen Terroranschlägen
woraus Herr von Runkenstein schloss
Dass dieser nun verhandlungsbereit war
weshalb er ihm den Bau
einer gemeinsamen Müllverbrennungsanlage
nach westlichem Standard vorschlug
was ein so guter Vorschlag war
dass man den Nachbarschaftsstreit nach einer Woche begraben hatte
Bei einem anschließenden Grillfest
musste Herr von Runkenstein jedoch feststellen
dass sein Nachbar anscheinend fundamentalistisch orientiert war
weil dieser einen Riesenaufstand machte
als Herr von Runkenstein ihm leckere Würstchen aus Schweinefleisch
und ein ordentliches Bier anbot
worauf es zum Eklat kam
weshalb sich Herr von Runkenstein entschied
die Nachbarschaft endgültig zu beenden
und als anonymer Denunziant
einen der vielen US-Geheimdienste zu informieren
dass sein Nachbar anscheinend Osama bin Laden sein musste
weil dieser Schweinefleisch und alkoholische Getränke ablehnt
und er zudem einen langen Bart trug
und ein Handtuch auf dem Kopf hatte
In der darauf folgenden Nacht wurde Herr von Runkenstein
in seiner Nachtruhe empfindlich gestört
weil draußen mehrere geräuschlose Hubschrauber herumflogen
die eine Gruppe sehr lauter und bewaffneter Ausländer absetzten
die offensichtlich ebenfalls etwas gegen Müllverbrennung
und die Ablehnung von Alkohol und Schweinefleisch hatten
und ihren Ärger mit Waffengewalt kundtaten
Am nächsten Morgen war das Haus der Nachbarn nur noch ein Trümmerberg
und die Nachbarn selbst offensichtlich über Nacht ausgezogen
weshalb Herr von Runkenstein das Nachbargrundstück aufkaufte
seine Villa vergrößerte
das amerikanische Hubschrauberwrack zu einem modernen Kunstwerk machte
und anschließend bei Bier und Würstchen
seinen Sieg über diesen Nachbarschaftsterroristen feierte
ohne den die Wohngegend bestimmt ein besserer Ort sein würde

Mein Senf zur Deutschen Content Allianz

Eigentlich bin ich ja nur noch Gelegenheitsblogger und Vollzeit-Twitterer. Aber die Gründung der Deutschen Content Allianz ist mal wieder ein gegebener Anlass. Auf das Deppenleerzeichen werde ich übrigens nicht eingehen, denn das spricht für sich selbst.

Zitieren möchte ich aus zwei Heise-Artikeln: Deutsche Content Allianz will Netzbetreiber in die Pflicht nehmen und Die Contentindustrie ruft nach der Politik.

Grundsätzlich ist die DCA ein Zusammenschluss von Lobbyisten der Urheberrechtsindustrie und besteht aus ARD, ZDF, Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Bundesverband Musikindustrie (BVMI), GEMA, Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) sowie Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT).

Die GEMA hat meiner Meinung nach nichts in dieser Allianz zu suchen, da sie keine eigenen Inhalte produziert, aber aus Sicht der Lobbyisten erscheint mir das durchaus logisch. Denn das Ziel dieser Allianz besteht nach nicht im verbreiten ihrer Inhalte, sondern im kassieren und sperren und langfristig sicher auch darin, Das Netz zu einem Medium zu machen, das genauso gut kontrolliert werden kann wie Presse und Rundfunk

Nun aber zu meiner Aneinanderreihung und Kommentierung beliebiger Stellen:

Die Allianz will daher künftig laut der ARD-Cefin “mit einer Stimme” gegenüber den Interessen der Netzbetreiber auftreten. “Bei allen Entscheidungen und Weichenstellungen zur digitalen Entwicklung müssen unsere Positionen berücksichtigt werden”, forderte Piel.

Ich hatte bisher nicht den Eindruck, das die Positionen der Contentmafia von der Politik nicht berücksichtigt werden.

ZDF-Intendant Markus Schächter umriss den kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den sich die im Detail oft unterschiedliche Interessen verfolgenden Organisationen verständigen konnten, mit “scharfen” Schlüsselworten. Als Erstes betonte er die Notwendigkeit der Netzneutralität. “Wir müssen verhindern, dass kapitalstarke Internetkonzerne wie Google bei der Verbreitung ihrer Inhalte bevorzugt werden”, sprach sich Schächter für eine Festschreibung des Prinzips des offenen Internets aus.

Da hat jemand das Konzept der Neutzneutralität ganz offensichtlich nicht verstanden.

Die “größte Gemeinsamkeit” besteht dem ZDF-Chef zufolge bei der Forderung, Urheber- und Leistungsschutzrechte zum Schutz der kulturellen Vielfalt und als Basis für Wertschöpfung in der Informationsgesellschaft zu stärken. “Effektive Rechteklärungsmechanismen sind der beste Schutz gegen Piraterie”, warb Schächter an diesem Punkt vor allem für eine Stärkung legaler Angebote im Internet.

In anderen Worten: Mehr DRM, mehr Abmahnungen. Ich verwette meinen linken Hoden darauf, dass es diesem Pappnasenverein nicht gelingen wird, legale Angebote im Internet zu stärken oder gar eigene Modelle zu entwickeln, welche sich an der Realität des Internets und nicht am Wunschdenken der Contentmafia orientieren.

Man wolle mit der Allianz aber “bewusst raus aus den alltäglichen Lobbyistengräben”. Wichtig sei es, dass die Arbeitsplätze in der Kulturindustrie “nicht auf dem Altar der digitalen Coolness” geopfert würden. Der Politik müsse klar werden, dass die “ominöse Netzgemeinde” nicht immer die Interessen der Allgemeinheit vertrete.

Diese “ominöse Netzgemeinde” (He, wir sind echte Menschen!) vertritt die Interessen der Allgemeinheit wesentlich mehr als als diese Urheberrechtsfaschisten.

“Uns treibt die große Sorge zusammen, dass die Kreativwirtschaft auf der Strecke bleibt”, konstatierte Steffen Kuchenreuther im Namen der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO) und der Produzentenallianz. Seine Branche befinde sich in einer “dramatischen Situation” und fühle sich von der Politik allein gelassen, wenn deutsche Filme wie der Bushido-Streifen “Zeiten ändern dich” nur noch gut 500.000 Besucher in die Kinos lockten, im Netz aber 8 Millionen Mal angeklickt oder teils heruntergeladen würden.

Bushido ist ja echt ein tolles Beispiel. Mal davon abgesehen, was in diesem Zusammenhang “angeklickt” (Was wurde wo und warum angeklickt?) und “teils heruntergeladen” (welcher Teil wurde geladen?) bedeutet, bin ich davon überzeugt, dass diese acht Millionen, sofern es sie denn gibt, diesen Film auch dann nicht im Kino gesehen oder gekauft hätten, wenn es das Internet nicht gäbe.

Alexander Skipis vom Börsenverein des deutschen Buchhandels wetterte gegen “Suggestionen im Netz”, dass alle Inhalte frei zugänglich und kostenlos sein müssten und Inhalte “über Schwärme” oder “aus Wolken” generiert würden. Dies sei ein Trugschluss, der nur zu “Dilettantismus” führe.

Diesen Satz muss man sich auch erstmal auf der Zunge zergehen lassen. Dass “das Netz” alle Inhalte kostenlos haben will, ist erstmal reine Propaganda. und dass Inhalte über Schwärme und aus Wolken generiert werden sollen, hab ich so aber noch nie gehört. Das hat geradezu literartische Qualität. Da stelle man sich große Buchstabenwolken am Cyberhimmel vor und riesige Wortschwärme, die im Winter gen Süden ziehen. Irgendwie findet dann alles zusammen und mit Hilfe von Magie und Einhornregenbogenstaub entstehen neue Bücher. So zumindest scheint sich dieser Herr die moderne Netzliteratur vorzustellen.

Deshalb hat sich die Contentallianz vor allem ein gemeinsames Ziel gesetzt: gegenüber der Politik soll der Wert der Inhalte betont werden. Die technische Möglichkeit, Inhalte zugänglich zu machen, würde derzeit höher bewertet als die Inhalte selber, monierte der Vorstandsvorsitzende der GEMA, Harald Heker. Für die Inhalte sei das eine Bedrohung. Wenn in den Netzen aber keine Inhalte transportiert würden, dann wären auch die Netze wertlos, so die WDR-Intendatin Piel. Sie erklärte, sich für die Interessen der Inhalteanbieter gegenüber den Netzbetreibern einsetzen zu wollen. Alle Anbieter müssten einen diskriminierungsfreien Zugang zu den Infrastrukturen bekommen, wozu auch gehöre, dass die Inhalte auffindbar seien. In der Debatte um die Netzneutralität erkennt die Contentallianz ein “hohes Diskriminierungspotential”.

Auch das ist wieder so ein Ding, was man zweimal lesen muss. Es geht hier offensichtlich um Inhalte. Was mich aber am meisten an dieser Sache ankotzt, ist die Arroganz, mit der diese DCA vorgibt, alleiniger Lieferant von Inhalten zu sein. Aus deren Sicht stellen sie die Inhalte her und wir, also das böse Internet, verbreiten und kopieren sie bis zum gehtnichtmehr. Was dazu führt, dass die vielen Künstler und Rechteverwerter verhungern müssen, wenn die Politik nicht eingreift.

Zur Kenntnisnahme: es gibt da draußen noch viele andere, die Inhalte herstellen und verbreiten, größtenteils sogar kostenlos. Seit über zehn Jahren leiste ich meinen bescheidenen Anteil, das Internet mit Worten zu füllen, und ich habe nie etwas dafür verlangt, außer vielleicht ein wenig Anerkennung und Respekt. Und es sind noch unzählige weitere da draußen, die Musik machen, Filme drehen oder rendern, Spiele programmieren, Bilder malen und vieles mehr. Okay, die meisten müssen davon nicht leben, trotzdem verdienen manche damit einen netten Nebenverdienst, der ihnen auch gegönnt sei.
Aber das jetzt diese Contentmafia daherkommt und so tut, als wäre das Internet eine leere Wüste, wenn wir nicht ihre wertvollen Inhalte klauen und verbreiten würden das empfinde ich als eine Frechheit und Ignoranz sondersgleichen. Und alleine schon dafür verdient es die DCA, vom ersten Tag an bekämpft, zumindest aber verachtet zu werden.

Aber weiter im Text, bevor ich mich in was hineinsteigere.

Während die Allianz mit dieser Aussage bei Internetnutzern noch auf Zustimmung hoffen dürfte, ist bei weiteren Punkten der Widerspruch vorprogrammiert. So beschwerte sich Heker darüber, dass die Gema im vergangenen Jahr nur einen ” skandalös niedrigen Betrag” im Internet erwirtschaften konnte. Er verlangte, dass die Netzbetreiber künftig eine Abgabe an die Gema zahlen sollten, immerhin verdienten sie viel Geld mit den Daten, die sie über ihre Datenautobahnen schickten.

“Skandalös niedrig”, das würdige ich keinen Kommentares.
Und der Gedanke einer Gema-Abgabe für Netzbetreiber (= Provider?) ist noch absurder als das ominöse Leistungsschutzrecht der Holzmedien.

Und, wie könnte es anders sein, die CDU/CSU ist natürlich sofort dabei, wie sie in ihrer Pressemeldung verkündet.

Ohne Inhalte bleibt das Internet aber leer. Deswegen begrüßen wir die Initiative der größten deutschen Kreativwirtschaftsverbände, gemeinsame Forderungen an die Politik zu formulieren: Es gilt, das Bewusstsein für die Leistungen der Kreativen zu stärken, die einmalig vielfältige deutsche Medienlandschaft zu erhalten und die urheberrechtlichen Rahmenbedingungen für kreatives Schaffen zu verbessern und in diesem Sinne an die digitalen Herausforderungen anzupassen.

“Ohne Inhalte bleibt das Internet leer”. Ja, ich erinnere mich noch, damals Ende der 90er. Das Internet war wüst und leer wie die Erde kurz nach der Schöpfung. Wir hatten ja damals nichts! Aber dann stieg gottgleich die Kreativwirtschaft vom Himmel herab und füllte das Internet mit Inhalten. Doch wir, die User, kamen nicht vom Himmel, sondern aus der Piratenhölle, und so tauschen und kopierten wir wie Luzifer persönlich, erfanden Napster und töteten die Musikindustrie. Und einige Jahre später auch die Filmindustrie dank Breitband und Flatrates. Niemand ging mehr in die Kinos und Konzerte, keiner kaufte mehr CDs und DVDs. Schlimme Zeiten waren das.

Das Internet dient der Vermittlung von Inhalten.

Und Telefone dienen der Übermittlung von Befehlen. Eine ziemlich einseitige Sichtweise.

Deswegen müssen die Rahmenbedingungen an den Inhalten ausgerichtet sein und dazu beitragen, dass kreative Inhalte diskriminierungsfrei zugänglich sind.

Diskriminierungsfrei? Wer diskriminiert denn wen? Was ist mit den Leuten, die wegen DRM bezahle Inhalte nicht so nutzen können, wie sie es möchten? Welche Rahmenbedingungen sind gemeint, und an welchen Inhalten sollen sie sich ausrichten? Das ist doch reines Geschwurbel.

Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hält die Zusammenarbeit der einzelnen Kultursparten für wichtig und hat schon lange für eine solche Allianz geworben.

Klingt so, als hätten die Konservativen die Gründung der Lobbygruppe angeregt, die sie jetzt unterstützen. Netzsperre, ick hör dir trapsen.

Hintergrund: In der Deutschen Content Allianz haben sich ARD, BVMI, die Produzentenallianz, der VPRT, der Börsenverein des deutschen Buchhandels, die GEMA, SPIO und das ZDF zusammengeschlossen. Gemeinsam repräsentieren die Vertreter der deutschen Film-, Fernseh-, Buch- und Musikindustrie über 200.000 Unternehmen mit einem Umsatz von mehr als 100 Milliarden Euro pro Jahr und ca. einer Millionen Beschäftigten.

100.000.000.000 Euro Umsatz pro Jahr. Bei so niedrigen Umsätzen hätte ich auch Angst um meine finanzielle Zukunft.

Doch es gibt auch Hoffnung: Am selben Tag wurde die Gründung der “Digitalen Gesellschaft” verkündet.
Digitale Gesellschaft: Jetzt in Deinem Land verfügbar

Dahinter stecken Markus Beckedahl von netzpolitik.org und eine Reihe anderer Leute, deren Identität bis jetzt noch nicht vekründet wurde. Aber ich bin mir sicher, dass einige bekannte Namen darunter sein werden.

Inhaltlich scheint es in Richtung der Piratenpartei zu gehen, nur als e.V. Das ist eine gute Vorgehensweise; ich denke, langfristig können beide voneinander profitieren. Wobei man natürlich vorsichtig bleiben sollte, denn politische Neutralität wird wird für die Digitale Gesellschaft sehr viel nützlicher sein als zu enge Verbindungen zur Piratenpartei.

http://www.digitale-gesellschaft.de/

HvR#249

Herr von Runkenstein erzeugt Energie

Nachdem der Atomreaktor
den Herr von Runkenstein in seinem Wandschrank versteckt hatte
einer schweren Kernschmelze erlegen war
und sich die glühende Metallsuppe durch seinen Kühlschrank
seinen Vorratskeller
und seine Mutantenkellerasselzucht geschmolzen hatte
machte er sich auf die Suche nach einer sauberen Energiequelle
und entwickelte den Heißluftreaktor
der seine heiße Luft aus den Reden von konservativen Politikern bezog
und so schon bald mit Hilfe der geballten Kompetenz
Von Kauder, Pofalla, Söder, Gauweiler, Seehofer
Glos, Röttgen, Stoiber, Rüttgers und Bosbach
Mehr Energie erzeugte als ein klingonischer Gigareaktor
während seiner gesamten Laufzeit
aber schon bald so heiß lief
dass Herr von Runkenstein ein Magnetfeld einbauen musste
weil sich durch die enorme Hitze die Luft zu Plasma umwandelte
welches zwar in dem Magnetfeld sicher eingeschlossen war
aber durch hinzufügen von Ramsauer, Oettinger, Beckstein, Huber und Mappus
so heiß wurde
dass es sich selbst entzündete
weshalb Herr von Runkenstein die Heissluftbrennzelle absprengen
und über ein Notfallsystem in den Weltraum schießen musste
wo das Politiker-Plasma-Gemisch mit der Kernfusion begann
und so eine neue Minisonne entstand
die es sich in einer stabilen Umlaufbahn bequem machte
und die gesamte Erde mit Licht
Wärme und konservativen Aussagen versorgte
Nur wenige Wochen später
hielten jedoch selbst die dümmsten Wähler
die ständige Dampfplauderei aus dem Orbit nicht mehr aus
weshalb Herr von Runkenstein die Minisonne
mit Hilfe von Lasern
Büroklammern
einer Mikrowelle und einem Taschenmesser
auf die erdabgewandte Seite des Mondes beförderte
wo sie keine Belästigung mehr darstellte
und er zudem ein neues Kraftwerk um sie herum bauen konnte
um die so gewonnene Energie mit Hilfe von Weltraumhundeschlitten
zurück zur Erde zu transportieren
und dort hektoliterweise zu verkaufen
und somit die Energieprobleme der Menschheit löste
wofür man ihm alle Nobelpreise gleichzeitig verlieh
mit Ausnahme des Literatur-Nobelpreises
was jedoch nur noch einer Frage der Zeit sein konnte

HvR#248

Herr von Runkenstein stolpert über ein Plagiat

Herr von Runkenstein hatte längst
einen gut dotierten Ministerposten gefunden
und war der beliebteste deutsche Politiker seit Adolf Hitler geworden
als irgendein Scherzbold namens Internet auf die Idee kam
sich einmal seine Doktorarbeit genauer anzusehen
und dort diverse Ungereimtheiten zu finden
die man als mangelhafte Sorgfalt
bei der Verteilung von Fußnoten bezeichnen konnte
aber nicht musste
weil Herr Dr. Minister von Runkenstein viel zu beliebt war
als dass man ihm mit Fußnoten die weiße Weste versauen könnte
Zwar hatte er tatsächlich mehrere Artikel von Wikipedia kopiert
und sich die Einleitung von einem obdachlosen BWL-Absolvent
für eine Flasche Wodka schreiben lassen
doch von Wikipedia kopiert heutzutage ja jeder
und der Obdachlose war während des letzten großen Schneechaos erfroren
sodass Herr von Runkenstein sich nichts weiter vorzuwerfen hatte
Außerdem waren an dem selben Tag drei Soldaten in Afghanistan gestorben
weshalb er lieber eine Grundsatzdiskussion darüber begann
ob man denn die deutsche Freiheit
unbedingt am Hindukusch verteidigen müsse
und ob man das denn nicht viel besser in Brandenburg machen könne
wo es viel ungefährlicher war
weil es dort keine Taliban gibt
woraufhin Die Linke ihn darauf hinwies
dass sie das bereits seit Jahren erzählt
und ihm somit das kopieren linker Positionen vorwarf
was Herrn von Runkenstein aber völlig egal war
weil es sich dabei ja nicht um eine Doktorarbeit handelte
Wochen später waren alle Untersuchungen abgeschlossen
und man kam zu dem Ergebnis
dass Herr von Runkenstein Doktorarbeit
zu 95% aus Wikipedia-Artikeln bestand
und zu 5% von einem unbekannten Alkoholiker
über einen Zeitraum von sieben Jahren
in mühevollster Kleinarbeit geschrieben wurde
weshalb man ihm in einer Nacht-und-Nebel-Aktion
den Doktortitel chirurgisch entfernte
und am nächsten Tag
während einer feierlichen Zeremonie in Buyreuth
mit Militärparade und Feuerwerk
die Ehrendoktorwürde verlieh
weil er einfach der beliebteste und beste Minister aller Zeiten ist
und Millionen von Fans bei Facebook hat
und zudem über einen vererbten Adelstitel verfügt
was ihn hell leuchtend herausragen lässt
aus der bürgerlichen Masse unwürdiger Vasallen und Tagelöhner
die wir durch Geburt nun einmal sind

HvR#247

Herr von Runkenstein fördert Multi-Kulti

Und es ward 2011
was für Herrn von Runkenstein bedeutete
dass er noch knapp zwei Jahre Zeit hatte
um den von den Mayas vorhergesagten Weltuntergang zu verhindern
weshalb er umgehend die Vergangenheit aufsuchte
und das aztekische Reich
mit Hilfe von pockenverseuchten Wolldecken
und dioxinhaltigen Hühnereiern vernichtete
was aber nichts an der Apokalypse änderte
da Azteken nun mal keine Mayas sind
was Herrn von Runkenstein aber nicht weiter störte
da ihm nun das zukünftige Mexiko gehörte
und die Apokalypse noch Jahrhunderte in der Zukunft lag
weshalb er in seinem menschenleeren Reich Menschen ansiedelte
die er aus allen Zeiten und Kulturkreisen entführt hatte
um ein multikulturelles Imperium des Friedens zu erschaffen
in dem er selbst als Gottheit verehrt werden sollte
was aber nicht sofort funktionierte
weil die Nazis etwas gegen die Juden hatten
und die Chinesen gegen die Japaner
und die Engländer gegen die Franzosen
und die Pakistanis gegen die Inder
und die Hutu gegen die Tutsi
und die Polen gegen die Russen
und die Österreicher gegen die Deutschen
und die Schotten gegen die Engländer
und die Iraner gegen die Iraker
und die Katholiken gegen die Lutheraner
und die Perser gegen die Makedonier
und die Römer gegen die Germanen
und die Kanadier gegen die Seehunde
und die Buren gegen die Briten
und die Franken gegen die Bayern
und die Autofahrer gegen die Fahrradfahrer
und die Moslems gegen die Schweine
und die Gartenzwerge gegen die Rasenmäher
und das Papier gegen die Scheren
und die Scheren gegen die Steine
und die Steine gegen das Papier
und die US-Amerikaner natürlich gegen die Mexikaner
was völlig absurd war
weil ja nun alle irgendwie Mexikaner waren
weshalb Herr von Runkenstein es
mit einer groß angelegten Zwangsumerziehung versuchte
die aber fehl schlug
weil niemand zu den festgelegen Terminen erschien
weshalb er es mit Gehirnwäsche versuchte
aber schon an dem ersten Gehirn scheiterte
weil es sich einfach nicht an der Wäscheleine aufhängen lies
was aber nur halb so schlimm war
weil es sich nur um ein Nazihirn gehandelt hatte
sofern man diese unterentwickelte Eiweißmasse
tatsächlich als Gehirn bezeichnen konnte
was von führenden Wissenschaftlern bezweifelt wurde
Weil alles nicht half
musste Herr von Runkenstein
eine gewisse Ghettoisierung seiner Weltstadt zulassen
bestand aber darauf
dass alle Kinder gemeinsam in die selben Schulen gehen
was aber von Hamburger Gymnasiasteneltern strikt abgelehnt wurde
worauf Herr von Runkenstein aber nun keine Rücksicht mehr nahm
und die Kinder von der Nationalgarde in die Schule begleiten lies
Nur hundert Jahre später hatte es tatsächlich geklappt
und alle waren gute Freunde geworden
doch nun landeten die Spanier an der Küste
und weiße Männer in Metallrüstungen
ritten auf großen Vierbeinern in das Landesinnere
und wurden von den Eingeborenen freundlich begrüßt
und zu ihrem Gottkaiser von Runkenstein geführt
der aber sofort wusste
was Sache ist
und Plasmakanonen an seine Untertanen verteilen ließ
welche daraufhin die Konquistadoren zurückschlugen
aber nicht an der Küste halt machten
sondern ihre Atom-U-Boote
Flugzeugträger
Panzerzeppelinsstädte
und Hyperschall-Langstreckenbomber bestiegen
und an Europas Küsten landeten
und im Namen des Gottkaisers die primitiven Völker
des neuen Kontinents überrannten
und ihre Tempel und Städte plünderten
und ihre Frauen und ihr Vieh raubten
und alles in ihre heilige Stadt schafften
und in einem großen Siegeszug ihrem Gottkaiser darbrachten
der sich jedoch in seine geheime Mondstation abgesetzt hatte
um der Gammastrahlenexplosion zu entgehen
welche aus den Tiefen des Universums hervorbrach
und jetzt die Erde traf und sämtliches Leben vernichtete
was niemand mehr bedauerte als der Gottkaiser Runkenstein
der sich nun wieder Herr von Runkenstein nennen musste
und in sein eigenes Paralleluniversum
und seine eigene Zeit zurückkehrte
und nun wieder am Anfang des Jahres 2011 stand
und sich zwangsweise der Aufgabe widmen musste
die er von Anfang an vermeiden wollte
nämlich sein Grundstück
und die Straße davor von Feuerwerksresten
und Silvesterraketen zu säubern
und die blöden Gören aus der Nachbarschaft verfluchte
und sich dabei einen zutiefst bösartigen Plan überlege
um sie im nächsten Jahr daran zu hindern

Der Gegenverschwörer

Hier ist nun die Wahrheit, die sie frei machen wird. (…) Und angesichts dieses Gefühls Segensworte zu sprechen für die Profite und Propheten der Wahrheit, für die Befreier und Märtyrer der Wahrheit, für die Voltaires, Galileos und Principias der Wahrheit, für die Gutenbergs, Marconis und Internets der Wahrheit, für die Serienmörder der Täuschung, jene brutalen, getriebenen und besessenen Bergleute der Wirklichkeit, die jedes vermoderte Gebäude zerschmettern, zerschmettern, zerschmettern, bis alles in Ruinen liegt, für die Saat des Neuen.

Julian Assange, letzter Eintrag in seinem Blog iq.org, 29. August 2007

Nur ein planloser Störenfried? Das öffentliche Bild von Wikileaks-Gründer Julian Assange bleibt erstaunlich unscharf. Doch die Ratlosigkeit über Motive und Ziele Assanges ist unerklärlich: Wer seine Texte liest, findet ein geschlossenes Weltbild.

Danke, Wikileaks!

Besser könnte ich es auch nicht sagen:

Die Wikileaks-Kritiker irren. Staaten sind keine Menschen. Sie haben keine Privatsphäre und daher auch keinen Anspruch auf Schutz derselben. Staaten sind hochproblematische Gebilde. Sie verkörpern institutionelle, konkurrenzlose Macht. Staaten sind Monopole der Gewalt, die Zwangsgebühren erheben, Bürger einsperren und Kriege führen können. Sie herrschen unangefochten auf ihrem Territorium, was sie gefährlich und bedrohlich macht. [...]

Es ist bizarr, wenn sich Journalisten für Geheimhaltung und Verschleierung im Namen der Staatsräson einsetzen. Menschen, Bürger, im Privatsektor tätige Unternehmer und Angestellte sind vor der Macht des Staates und der Medien im Zweifelsfall zu schützen, aber sicher nicht das Machtmonopol selber, das in Schach zu halten und zu durchleuchten die nobelste Aufgabe der Journalisten ist.

Wikileaks – Transparenz ist die Waffe des Bürgers gegen den Staat. Die Internet-Enthüller verrichten gute Dienste.

HvR#246

Herr von Runkenstein züchtet Einhörner

Als Herr von Runkenstein eines Nachts mit Sturmgewehr im Anschlag
durch den benachbarten Zauberwald streifte
tat sich vor ihm ein Vortex auf
dem einige der sagenumwobenen Einhörner entsprangen
von denen Herr von Runkenstein eigentlich dachte
dass sie längst ausgerottet waren
seit der verhängnisvollen Treibjagd vor einigen Jahren
bei der er eine ganze Herde dieser magischen Wesen
in ein Minenfeld getrieben hatte
was ein wunderschöner Anblick gewesen war
weil explodierende Einhörner nur Regenbogen und Zauberstaub
und natürlich ihre Hörner zurücklassen
die Herr von Runkenstein für einen guten Kilopreis
nach Nordkorea verkauft hatte
wo das Militär auf Einhornhörnern basierende Wunderwaffen entwickelt
was jedoch streng geheim ist
und auch niemanden beunruhigen sollte
der nicht an Einhornmagie glaubt
Nun hingegen waren die Einhörner in den Zauberwald zurückgekehrt
und Herr von Runkenstein ließ die Waffe sinken
weil er diese majestätischen Tiere nicht noch einmal ausrotten wollte
stattdessen holte er seine Kevlardrahtkanone
mit der er sonst immer Xenomorph-Aliens einfing
wenn die Predatoren ihn wieder einmal auf einen Jagdausflug
in ihre unterirdische Antarktis-Pyramide eingeladen hatten
und fing so einige der Einhörner ein
aber ließ die übrigen entkommen
um das Gleichgewicht der Natur nicht noch mehr zu stören
außerdem war der armselige Rest eher minderer Qualität
und zum weiteren Ge- und Verbrauch kaum geeignet
Die gefangenen Exemplare hingegen
gedeihten in seinen unterirdischen Stallungen prächtig
und konnten dank chinesischer Superdrogen
Laserpeitschen und Einhornpornos aus dem Internet
zum Geschlechtsverkehr überredet werden
worauf Herr von Runkensteins Herde so stark anwuchs
dass er schon bald die ersten Tiere schlachten
und zu Regenbogenstaub
sehr leckerem Dosenfleisch
und vielen anderen exklusiven Einhornprodukten verarbeiten konnte
die sich aber nur Superreiche wie Bill Gates
und Steve Jobs leisten konnten
die übrigens auch die größten Abnehmer waren
weil Regenbogenstaub jede Art von Hard- und Softwarefehler
in praktische Features verwandelt
und zudem extrem süchtig macht
was die hohen Verkaufszahlen von IPhones und Windows 7 erklärt
Im Grunde hätte es immer so weitergehen können
und auch müssen
weil sich die vollautomatische Einhornschlachtmaschine
erst ab einer Auslastung von 12.000 Einhörnern pro Tag
amortisiert hätte
doch dummerweise kamen Herr von Runkenstein
die Weltverbesserer von Greenpeace und PETA dazwischen
die seine Einhornunterwerfungsroboterlegionen sabotierten
worauf diese nicht mehr Beruhigungsspritzen
und Laserpeitschenschläge verteilten
sondern subversive Flugblätter und Regenbogenmagieverstärker
was innerhalb weniger Stunden zu einem Aufstand führen sollte
der später als die Einhornkalypse in die Geschichtsbücher einging
wovon Herr von Runkenstein jedoch nicht viel mitbekam
da er sich zu diesem Zeitpunkt bereits
in seinem Anti-Apokalypsebunker eingeschlossen hatte
wo er sich alle Folgen der Simpsons ohne Unterbrechung ansah
und sich jede Menge Regenbogenstaub durch die Nase reinzog
weil die Simpsons dadurch noch bunter und lustiger wurden
als sie es ohnehin schon waren
Als Tage später alles überstanden war
trat er vor sein Bunkertor
und betrachtete die verbrannte Erde zu seinen Füßen
die noch immer mit radioaktiven Kadavern bedeckt war
und in allen Regenbogenfarben leuchtete
und dachte darüber nach
wann genau er die Grenze
von der Viehzucht zum Wahnsinn überschritten hatte
und wie er es hätte verhindern können
und kam schließlich zu der Erkenntnis
dass es der Schritt von der einfachen zur Massentierhaltung war
weshalb er in einen unverwüsteten Winkel der Erde umzog
um dort noch einmal von vorne zu beginnen
begrenzte seine maximale Herdenzahl jedoch auf Tausend Tiere
und verhundertfachte dafür den Preis seiner Produkte
weil ihm ein BWL-Student dazu geraten hatte

Terror funktioniert – wenn man ihn lässt

Wenn man diesen Satz, wie Fefe es macht, etwas größer schreibt, erkennt man erst die wahren Dimensionen hinter der Aussage:

Siegfried Kauder (CDU), Vorsitzender des Rechtsausschusses im Bundestag, fordert wegen der Terrorgefahr die Einschränkung der Pressefreiheit

Einschränkung der Pressefreiheit. Wegen der Terrorgefahr. Ist dem Mann eigentlich klar, was er da für gefährliches Zeug redet?

„Wenn die Presse darüber berichtet, welche Orte besonders gefährdet sind, dann kann das unter Umständen ein Anreiz für Terroristen sein.“

Das halte ich für absolut dummes Zeug. Ein Terrorist, der ernsthaft einen Anschlag plant, braucht keine Zeitung, die ihm erzählt, wo sich ein Anschlag lohnen würde. Und wer das ernsthaft glaubt, ist noch dümmer als jemand, der wegen sowas die Einschränkung der Pressefreiheit fordert.

Weshalb, nach meiner Logik, Volker Kauder noch dümmer ist als er selbst. Quasi ein Perpetuum Mobile der Dummheit. Er dreht sich damit um das Vakuum in seinem Kopf.

Aber mal ersthaft: Was da im Moment abgeht, ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. oder, wie Jens Scholz es sagt: Staat, reiß dich gefälligst mal zusammen!

Der Terrorismus gewinnt, wenn wir unser Leben von ihm einschränken lassen. Und genau das passiert gerade. Nicht durch uns selbst, sondern durch Populisten und Demagogen, welche die Gelegenheit am Schopf packen, um weitere Einschränkungen der Bürgerrechte zu fordern.

Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, wird am Ende beides verlieren.

Das sagte Benjamin Franklin, und genau das passiert gerade.

Ich für meinen Teil sehe keinen Grund, aufgrund der “Bedrohungslage” irgendwelche Konsequenzen zu ziehen. Es gibt genug Dinge im Leben, die gefährlicher sind als ein möglicher Terroranschlag.

Geschäftsmodell: Besucher verklagen

Auf was für Ideen die Contentmafia doch kommt:

Ein US-amerikanisches Nachrichtenblog hat eine abstruse Alternative zur Paywall entdeckt. Besucher der Seite erhalten eine Warnung. Dabei werden sie belehrt, dass nur ein Artikel pro Tag kostenlos ist. Jeder weitere müsse per Abo bezahlt werden. Wer weitere Artikel liest, aber kein Abo bezahlt, dem wird mit einer Klage gedroht.

Das muss man sich mal vorstellen: die Artikel werdne frei angeboten, aber wenn man sie liest, muss man mit einer Klage rechnen. Wegen Diebstahl. Sowas haben sich die Entwickler des Internet sicher in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen können.

Ich als Besucher dieser Seite würde daraus nur eine Konsequenz ziehen: Die Seite aus meinen Favoriten löschen und ignorieren, boykottieren und dem Vergessen anheim fallen lassen.

Ich weiß natürlich nicht, welchen Grad von Relevanz die “North Country Gazette” in der US-amerikanischen Blogosphäre hat, aber auf Deutschland übertragen würde ich einen solchen Boykott auch bei spon, golem, heise oder gulli durchziehen.

Denn ist ist doch ganz klar eine Sache, ob man eine Paywall hochzieht, aber eine völlig andere, über den Rechtsweg an das Geld zu kommen, von dem man glaubt, das es einem zusteht.

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